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Rückenschmerzen wegen falschem Biss?

GZFA setzt auf interdisziplinäres Netzwerk

Wer unter Rückenschmerzen leidet, sollte sich unter die Lupe nehmen: Ist morgens der Nacken steif, schmerzen Zähne und Kiefer vom nächtlichen Zähnepressen und -knirschen? Oder wirken gar Füllungen oder Kronen zerbissen? Dann lohnt sich der Gang zu einem Zahnarzt, der sich auf Kiefergelenkprobleme spezialisiert hat. Er kann mit einer Funktionstherapie helfen, die Körperstatik wieder ins Lot zu bringen.

Millionen Bundesbürger leiden unter Rückenschmerzen, jährlich werden deswegen knapp 49 Milliarden Euro aufgewendet. Viele Erklärungen verweisen allgemein auf Stress oder Bewegungsmangel. Doch die Ursachen sollten unbedingt geklärt sein: Ist beispielsweise das Kiefergelenk erkrankt, kann das zahlreiche Schmerzsymptome wie Migräne, Tinnitus oder eben Rückenschmerzen nach sich ziehen. Die Fachwelt fasst diese Beschwerden unter Cranio Mandibuläre Dysfunktion (CMD) zusammen und rät zu einer Funktionstherapie.

Biss und Balance

Die Muskeln des Kauapparats weisen die höchste Rezeptorendichte auf und sind über den Trigeminusnerv mit der Halswirbelsäule verbunden. In ihnen wirkt pro Quadratmillimeter die größte Kraft im Körper. Der Trigeminusnerv wiederum ist der größte Hirnnerv und weist als einziger Querverbindungen zu allen anderen Hirnnerven auf. Verursachen also Zahnlücken, nicht perfekte Füllungen oder Brücken Fehlkontakte im Biss und als Folge eine Fehlbelastung des Kiefergelenks, kann die Störung weiter wirken. Ebenso können "Knirscher" die Stellung ihrer Kiefergelenke verschieben und so Rückenschmerzen auslösen. Der Prozess wirkt auch in umgekehrter Richtung: Haltungsschäden wie Beckenschiefstand oder Fußmuskelschwächen können die Halswirbelsäule und infolgedessen den Kauapparat beeinflussen. Die symmetrische Balance ist beeinträchtigt.

Bei CMD fachübergreifende Therapie

CMD erfordert eine interdisziplinäre und effektiv gesteuerte Therapie. Glücklicherweise befassen sich immer mehr Zahnärzte mit dem komplexen Thema. So baut beispielsweise die Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik (GZFA) ein bundesweites interdisziplinäres Netzwerk auf. Ihre Funktionstherapeuten verwenden eine besondere Aufbissschiene, die mit ihrem zweiphasigen Design Kiefergelenke wieder in ihre ursprüngliche zentrische Position zurückführt.

Auch unter Orthopäden wächst die Aufbruchsstimmung zum Thema. Sie können anhand einer Elektromyographie - nach dem griechischen myos für Muskel - die Muskelaktivitäten des Patienten aufzeichnen und auswerten. Eine Wirbelsäulenvermessung im Anschluss hilft, das Haltungsmuster exakt zu ermitteln und sich mit dem behandelnden Zahnarzt abzustimmen.

Zahnärzte raten Patienten bei Zahn-Zusatzversicherungen zu kritischer Prüfung

Patienten sollten nicht auf Tricks reinfallen

Nach einer Umfrage unter Hamburger Zahnärzten aus dem Februar 2010 halten 83 Prozent der befragten Zahnärzte Zahn-Zusatzversicherungen für eine sinnvolle Sache für die meisten Patienten.

Etwa jeder zweite Zahnarzt, der diese Versicherung für sinnvoll erachtet, ermutigt seine Patienten sogar zum Abschluss einer derartigen Police. Allerdings haben offenbar viele Zahnärzte bereits schlechte Erfahrungen gesammelt, denn jeder Sechste ist der Meinung, dass diese Zusatzversicherungen am Ende nicht das bringen, was von den Versicherungsvertretern einmal versprochen wurde.
So sind beispielweise alle Zähne, die bei Vertragsabschluss schon fehlen, nicht versichert. Manche Versicherungen verzichten auf die Eingangsuntersuchung. Dafür verlangen sie eine Auskunft vom Zahnarzt, sobald eine Rechnung eingereicht wird. Ergebnis ist in jedem Fall: Der Patient sieht kein Geld und ist erbost über seinen Zahnarzt, der dazu nichts kann.

Ein weiteres Beispiel ist die Zusatzversicherung, die mit fettgedruckten
"100 %" wirbt. Aber: Die Versicherung stockt lediglich die Festzuschüsse für Zahnersatz auf 100 Prozent auf. Auch hier ist nur die "zuzahlungsfreie" Kassenleistung versichert. Jeglicher zahnmedizinische Fortschritt wie auch mehr Ästhetik und mehr Komfort bleiben außen vor bzw. dem Eigenanteil vorbehalten. Die Hamburger Zahnärzte warnen daher ihre Patienten davor, auf solche Tricks hereinzufallen. Jeder Patient sollte insbesondere das Kleingedruckte lesen und sich nicht in ein Vertragsverhältnis locken lassen, solange er nicht auch Alternativen kennt.

Angst vor dem Zahnarzt

Besonders häufig bei Problemkindern

Besonders Kinder, die in schwierigen Familienverhältnissen leben oder in psychologischer Behandlung sind, haben Angst vor dem Zahnarzt. Das fanden schwedische Forscher der Sahlgrenska Academy heraus. Kinder und Jugendliche, die Zahnarzttermine ständig verschieben oder absagen, haben viermal häufiger Kontakt mit Psychologen oder Anwälten.

Gründe für extreme Angstzustände

"Zahnärzte sollten gerade dieser problematischen Patientengruppe mit Einfühlsamkeit und Verständnis begegnen", sagt Studienleiterin Annika Gustafsson. Bei jedem Zwanzigsten löst allein der Gedanke an eine Zahnbehandlung extreme Angstzustände aus. Generell führen Ärzte das auf schlimme Erfahrungen beim Zahnarzt in der frühen Kindheit zurück. Jetzt ist klar, dass auch die sozialen Umstände dabei eine Rolle spielen.

Der Zahnarzt hat die Möglichkeit, Angstpatienten mit Medikamenten, Lachgas und Hypnose oder örtlicher Betäubung zu beruhigen. "Mittlerweile gibt es Zahnärzte, die sich auf minderjährige oder erwachsene Angstpatienten spezialisiert haben", sagt Gustafsson.

Gustaffson untersuchte in ihrer Studie die Unterschiede zwischen Jugendlichen, die diese speziellen Zahnärzte benötigen, und ihren angstfreien Alterskollegen. Je 250 junge Patienten aus beiden Gruppen beschrieben dafür ihre Familie und ihr tägliches Leben. "Kinder und Jugendliche, mit Zahnarzt-Angst stammen demnach eher aus niedrigen sozialen Schichten, aus Familien mit geringem Einkommen" sagt Gustaffson. Es zeigte sich auch, dass sie häufig mit nur einem Elternteil aufwachsen und überdurchschnittlich oft psychologische Probleme haben.

Vererbte Angst

Auch die Eltern hat die Wissenschaftlerin befragt und herausgefunden, dass sie ebenfalls häufig an Zahnarzt-Ängsten leiden. "Es scheint, als ob die Angst vor dem Zahnarzt vererbt wird. Will ein Elternteil aufgrund seiner eigenen Ängste das Kind nicht zum Zahnarzt begleiten, so wirkt sich das negativ auf das Kind aus", beurteilt Gustafsson das Ergebnis. Sie empfiehlt eine Zusammenarbeit zwischen Psychologen oder Sozialarbeitern und den Zahnärzten, um die Versorgungslücke für Problemkinder zu schließen.