Das Knirschen mit den Zähnen gehört zu den Stressverarbeitungsmechanismen des Menschen und ist in Maßen "erlaubt". Wenn die Zähne aber erkennbar heruntergemahlen werden, hat das Knirschen autodestruktive Züge angenommen.
Woran merkt man, dass man mit den Zähnen knirscht?
Um mit den Zähnen zu knirschen, muss die Kaumuskulatur angespannt werden. Man kann z. B. einmal die Hände auf die Wangen legen und dann dort die Muskulatur anspannen, dann spürt man die Kraft des größten Kaumuskels. Manche Menschen sind sehr erstaunt, wie viel Kraft sie mit diesem Muskel ausüben können. Man kann seine Umgebung bitten, einmal zu beobachten, ob man diesen Muskel unbewusst, z. B. beim konzentrierten Arbeiten, häufig anspannt. Wenn man morgens mit einem müden Gefühl im Bereich der Gesichtsmuskulatur, einer Art Muskelkater, wach wird, und zusätzlich vielleicht die Zähne noch leicht schmerzen, ist das ein untrügliches Zeichen, dass man nachts aufs seinen Zähnen gepresst oder mit zusätzlicher Seitbewegung geknirscht hat. Man sollte jetzt seinen Zahnarzt darüber informieren und ihn bitten zu kontrollieren, ob die Zähne schon Spuren übermäßigen Substanzverlustes zeigen, z. B. die Eckzahnspitzen schon völlig abgenutzt sind.
Das normale Kauen zur Nahrungszerkleinerung nimmt nur einen sehr kleinen Zeitraum am Tag in Anspruch. Richtig fest aufeinander gesetzt werden die Zähne nur beim Schluckvorgang. Das sind etwa 15 bis 20 Minuten am Tag. In dieser Zeit würden unsere harten Zähne über ein ganzes Leben keinen Schaden nehmen. Der harte Zahnschmelz wird erst während stundenlanger Beanspruchung durch Leerkaubewegungen (Knirschen / Bruxen) über eine lange Zeit abgetragen.
Kurzfristiges Knirschen, z. B. vor einer Prüfung, hat noch keinen Krankheitswert. In der heutigen schnelllebigen Zeit geraten aber viele Menschen unter Stress, d. h. sie können mit den ihnen gestellten Anforderungen oder Ängsten nicht adäquat umgehen. Es treten Stressverarbeitungsstörungen auf, die sich in Bruxismus (sehr starkem Zähneknirschen), Muskelverspannungen, chronischen Schmerzen und anderen Symptomen äußern können. Hier ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit einem Psychotherapeuten sinnvoll. Der Zahnarzt kann zwar kurzfristig Zahnschäden sanieren, letztendlich kann er allein einem starken Bruxer aber nicht helfen. Dieser Patient wird, wenn er sein Stressverarbeitungsverhalten nicht ändert, sein Gebiss völlig ruinieren. Der Patient sollte seinen Zahnarzt um die Empfehlung eines Psychotheraupeuten bitten, der sich mit der Thematik des übermäßigen Zähneknirschens auskennt.
Dieser redaktionelle Beitrag wurde freundlicherweise vom MDZ - Medizinischer Beratungsdienst der Zahnärzte zur Verfügung gestellt.
Datum der letzten Änderung: 14. April 2009